Bin ich eine Marke?

Bin ich eine Marke?

Oder: Warum es manchmal gut ist, auf unbequeme Kunden zu treffen.

Letztens nach einem Briefinggespräch, das nicht so ganz meinen Erwartungen entsprach, stellte ich mir die Frage: Wissen meine Kunden überhaupt, was ich mache? Text ist schließlich nicht gleich Text.

Und in diesem Moment musste ich mir selbst die Gretchenfrage stellen: Kann ich präzise sagen, wofür ich mit meiner Arbeit als Werbetexterin stehe? Oder, um noch einen Schritt weiterzugehen, wofür ich stehen möchte?

Was ich bei meiner Arbeit über die Jahre gelernt habe, ist auf jeden Fall eines: Es geht nie nur ums Texten. Ich bin Zuhörerin, Beraterin, Ideengeberin, entwickle Konzepte. Und nicht selten motiviere ich mein Gegenüber; helfe anderen, mutiger zu sein. Erst später schreibe ich Texte, die aber immer diesen gemeinsamen Weg brauchen, um authentisch zu sein.

Mir wurde bewusst, dass ich meine eigene Persönlichkeitsmarke über die Arbeit für andere ganz vergessen hatte, und meine Kunden daher gar nicht wissen können, was meine Texte besonders macht. Marken wirken wie nichts anders in der Werbung vertrauensbildend und berühren Menschen emotional – idealerweise. Denn Gefühle und Emotionen haben eine unschätzbare Macht. Sie werden über das Unbewusste wahrgenommen. Dadurch können sie quasi die Firewall des Verstandes ungehindert durchdringen, ohne dass dieser etwas davon mitbekommt. Der Verstand glaubt weiterhin, alles unter Kontrolle zu haben.

Dan Hill schreibt in seinem Buch „Emotionomics – Erfolg hat, wer Gefühle weckt“, dass wir kognitiv nur 40-50 Bits pro Sekunde bewusst aufnehmen können. Unser Unterbewusstsein nimmt hingegen bis zu 11 Mio. Bits pro Sekunde wahr. Das entspricht einem Verhältnis von 1:200.000!

Dieser Kunde, der in meinen Augen unbequem war, aber in diesem Moment eigentlich nur meine Beliebigkeit gespiegelt hat, war im Nachhinein ein Glückstreffer. Ich habe regelrecht Lust bekommen, die eigene Markenidentität neu zu entwickeln. Um beim nächsten Treffen klarer zu sein. Meiner selbst bewusst. Denn ‚Personal Branding‘ entsteht in den eigenen Wurzeln; so habe ich es im gleichnamigen Buch von Christopher Spall und Holger J. Schmidt gelesen. Je mehr Mut zur ‚Eigen-Artigkeit‘, desto stärker die Marke.

Danke lieber Kunde.

Text: Anja Danisewitsch, www.ideenuebersetzerin.de

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