Müssen Texter/innen bald umschulen?

Texter - ein Auslaufmodell)

Müssen Texter/innen bald umschulen?

Als Texterin wird es mir himmelangst, wenn ich lese, dass es bereits Maschinen gibt, die komplett fertige Texte ausspucken. Und zwar je nach Ausrichtung eines E-Commerce Shops und seiner Zielgruppen mal nüchtern erklärend, mal emotional oder sogar auf spezielle Kundennutzen abgestimmt!

Das Thema KI – Künstliche Intelligenz – ist derzeit in aller Munde. Im Zuge der Hauptversammlung des Texterverbandes im November 2017 in Stuttgart habe auch ich mich näher damit beschäftigt – und mit Saim Alkan von der Firma ax semantics. Er hat mit seinem Team eine lernende Software entwickelt, die automatisiert Texte in 22 Sprachen und auf Basis klassifizierbarer Daten generiert.

Völlig automatisch lassen sich so an einem Tag z. B. 25.000 verschiedene Beschreibungen von Autoreifen erstellen.

Müsste dieser Mann also nicht der natürliche Feind aller Texterinnen und Texter dieser Welt sein? Sollten wir, die wir uns täglich um kreative sprachliche Höhenflüge bemühen, uns besser gleich einen neuen Job suchen?

 

Nein. „AX-Semantics schafft natürlich keinen einzigartigen, persönlichen Text, sondern konfiguriert und variiert nach Nutzerwünschen Massentexte für den Einsatz in den Medien und im E-Commerce“, erklärt Alkan.

Dass gute Werbetexter nicht so schnell arbeitslos werden, bestätigt auch eine Studie der London School of Economics, die die Zukunftsaussichten unterschiedlicher Berufsgruppen hinsichtlich der Konkurrenz durch Roboter und Computer berechnet hat.

Das Ergebnis: Echte menschliche Kreativität, das „Spielen“ mit Sprache und Emotionen, das unsere Texte erst lesenswert und erfolgreich macht, ist (noch) unersetzbar. Das beruhigt mich – vorerst.

Annette Jarosch, Freie Werbetexterin und Vorstandsmitglied im Texterverband, www.annettejarosch.de
Titelphoto by Florian Klauer on Unsplash

 

Annette Jarosch
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